Im vergangenen Jahr war bei uns viel los.
Nach einigen Jahren voller unverarbeiteter Erlebnisse, Überarbeitung, Selbstsabotage, nicht auf den Körper hören und achten und einfach nur super funktionieren, kam es wie es kommen musste. Ich bin in ein tiefes Loch gefallen und hab um mich rum alles mitgezogen.
Jahrelang war ich die Person, die der Familie Halt und Sicherheit gegeben hat. Die alles geregelt hat. Der nix zu viel war. Die immer gelacht hat und für jeden da war und ihr letztes Hemd gegeben hat. Und von jetzt auf gleich bricht alles zusammen. Die Luft war raus. Der Akku vollständig entladen.
Viele kennen das vielleicht. Die Person, die sich genau in dieser Situation befindet sieht das genau so. Von jetzt auf gleich geht nichts mehr. Aber war es wirklich so?
Im Nachhinein werde ich oft an Aussagen erinnert von Menschen in meinem näheren Umfeld, die Dinge gesagt haben wie:
„Pass besser auf dich auf!“
„Irgendwann brichst du noch zusammen.“
„Wie kann ein einzelnen Mensch so viel leisten?“
„Kümmere dich doch mal um dich selbst.“
„Tu dir was Gutes.“
Als diese Ratschläge und Anmerkungen kamen habe ich sie weggeschmunzelt. Ich tu mir doch schließlich was Gutes, wenn ich anderen helfe. Denn genau das ist ja mein Wesen. Nächstenliebe bis hin zur völligen Selbstaufgabe.
Naja. Der Denkzettel kam und ich musste in eine Klinik. Das Beste, was mir passieren konnte. Dort habe ich viele Menschen kennen gelernt, denen es ganz ähnlich ging wie mir. Und zu Beginn konnte ich auch garnicht verstehen, warum die sich so sehr um andere gekümmert haben, dass sie selbst daran zerbrochen sind. Als Außenstehender habe ich Ratschläge gegeben. „Dann lern doch mal NEIN zu sagen!“ Leicht gesagt. Und vor allem kann ich das ja selbst nicht.
Wozu war dieser Klinikaufenthalt gut?
Ich habe gelernt, dass Nächstenliebe nur funktioniert, wenn man sich auch selbst liebt. Dazu gehört auch die Pflege des eigenen Körpers und der eigenen Seele. Dazu gehört auch, dass man sich auch mal von Menschen und Situationen abwenden muss, die einem mehr schaden, als dass sie gut tun. Dazu gehört sich selbst kennen zu lernen und zu merken wo Grenzen sind. Auf sich selbst zu hören und immer wieder reflektieren.
Das letzte Jahr hat mir beigebracht, wie ich auf mich selbst hören kann und dass ich das auch muss. Dass ich meine Meinung sagen darf und dass ich nicht jedermann Problem annehmen muss. Ich darf sein, wie ich bin, denn ich bin richtig gut geworden!
Auch in meinem Umfeld ist in dieser Zeit einiges geschehen. Einige Menschen haben sich abgewandt, weil ihnen die Situation oder ich zu anstrengend war. Oder weil sie nicht wussten, wie sie damit umgehen sollen. Ich bin keinem böse. Es sollte einfach so sein. Es waren aber auch viele Menschen um mich rum, die mir gezeigt haben, dass ich für sie ein wertvoller Teil ihres Lebens bin und dafür bin ich unendlich dankbar.
Mein Leitsatz war schon immer:
„Es ist nichts so schlecht, dass es nicht für irgendetwas gut ist!“
Und genau das durfte ich in den letzten Monaten erfahren. Jetzt, ein gutes halben Jahr nach dem Klinikaufenthalt merke ich, wie ich endlich beginne zu heilen und wie es mir stetig besser geht und leichter fällt ich selbst zu sein und auf mich zu hören.
Diagnosen? Ja ich hab mittelschwere Depressionen und ADHS. Aber wer hat das nicht? (Dazu aber mehr in einem weiteren Beitrag)
Bis zum nächsten Mal. Habt eine wundertolle Zeit und seid lieb zu euch!