Do.. Sep. 17th, 2026

ADHS – Modeerscheinung?

Ich kann mich an die Worte meiner Mutter vor einigen Jahren erinnern, als wäre es gestern gewesen.

„Wenn es das früher schon gegeben hätte, hätten die das bei dir auch diagnostiziert.“

Was ein Quatsch, dachte ich. Ich bin doch nicht zappelig, ständig unkonzentriert und auch kein kleiner Junge. Hab mein Fachabi gemacht und vier Jahre Ausbildung gemeistert. Und kein Lehrer hat solch eine Vermutung aufgestellt.

Wie ich in meinem letzten Blogbeitrag geschrieben habe, wurde genau diese Diagnose bei meinem Klinikaufenthalt gestellt.

Bei der Testung (gefühlt 1 Million Fragebögen) kam ich mir schon lächerlich vor. Mit 40 Jahren ein Test auf ADHS. Was ein Quatsch. Und siehe da: POSITIV.

Nun, wie geht man jetzt damit um?

Im ersten Moment dachte ich, was soll ich jetzt machen. Ist halt so.

Aber mit jedem Tag der seither vergangen ist, verstehe ich mich und mein Verhalten viel besser.

Ich habe eine pädagogische Ausbildung. Und schon seit ich denken kann arbeite ich mit Kindern, mit denen viele nicht zurecht kommt. Kinder die wild sind, die stören, die nicht so funktionieren, wie es der Gesellschaft gefällt. Ich verstehe ihr Verhalten, ihre Denkweise und kann mich gut in sie hineinversetzen. Nun, warum ist das so? Meine Nachforschungen haben ergeben, dass Menschen, die solch eine Disfunktion haben sich oft gegenseitig anziehen. Das tun sie, weil sie sich gegenseitig besser verstehen und eher nicht abgewiesen werden.

Mittlerweile folge ich einigen Menschen auf Insta oder FB. Und wenn sie aus ihrem Alltag erzählen oder neue für sie problematische Themen entdecken, denke ich ganz oft: „Oh ja, das kenn ich gut!“

Also ist es eine Modeerscheinung? Ich denke nicht. Früher war die Medizin einfach noch nicht so weit.

Habe ich deshalb Nachteile in meinem Leben gehabt? Jein! Ich hätte in manchen Situationen anders gehandelt, hätte ich davon gewusst. Hätte vielleicht etwas besser auf mich aufgepasst. Das kann ich erst heute, wo ich gelernt habe mich ernst zu nehmen und mich zu verstehen (klappt noch nicht immer, aber deutlich besser, als noch vor einem Jahr).

Aber es ist ja nicht zwingend schlecht ADHS zu haben.

Ja man überfordert sich manchmal selbst, indem man sich immer mehr aufhalst, als man eigentlich im Stande ist zu erledigen. Und man schläft auch nicht gut an Tagen, an denen man nicht ausgelastet ist. Aber so ein ADHS-Gehirn funktionert super in stressigen Situationen. Es ist so kreativ, dass Lösungen gefunden werden können, wo neurotypische Menschen nie drauf kommen würden. Es ist hellwach und abendteuerlustig. Und man ist so überempatisch, dass man sich eben super in Kids hinein versetzen kann, wie andere es vielleicht nicht können.

Also kann ich mit im festen Glauben wieder einmal sagen:

Es ist nichts so schlecht, dass es nicht für irgendetwas gut ist!

In diesem Sinne, sei lieb zu dir, pass auf dich auf und hab eine wunderbare Zeit!

Von admin

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